Mein Problem mit dem Schreiben…

Im Theater erzählt man sich zur Entstehung des Berufes Regisseur folgendes: Den Schauspieler, der am wenigsten schauspielern konnte, setzte man in den Zuschauerraum damit er kommentierte, was er sah und um Verbesserungsvorschläge anzubringen. Später wurde dieser „schlechte Schauspieler“ Regisseur und Ideengeber, ohne den kaum ein  Stück die Bühnen dieser Welt sieht.
Der Job eines Lektors ist dieser ursprünglichen Form, meiner Meinung nach, ganz ähnlich. Er hält Abstand zum Werk, kann sachlich dieses bewerten und Verbesserungsvorschläge anbringen – alles mit dem Ziel, dem Gesamtwerk zu hoffentlich mehr Qualität zu verhelfen.

Aber ist der Lektor nur Lektor, weil er zwar theoretisch viel übers Schreiben weiß, es aber selber nicht praktisch umsetzen kann?

Ich liebe es zu plotten, mir Geschichten auszudenken und diese bis ins Detail zu planen und zu verstricken. Ich bin fasziniert von der Heldenreise á la Campbell und verschlinge jedes Buch über Kreatives Schreiben, das mir in die Hände fällt. Seitenweise fülle ich Notizbücher mit meinen Ideen, experimentiere mit Strukturen und verstricke die Handlung. Doch sobald es ans Ausformulieren geht, bin ich gelangweilt und kann mich nicht dazu bringen, das Ganze zu beenden. Meine Figuren werden träge, meine Dialoge, die ich vorher geplant hatte, verlieren an Dynamik. Es ist, als würde man zu oft einen Film hintereinander sehen, sodass er einem nur noch aus den Ohren kommt und man einfach keine Lust mehr hat, ihn sich schon wieder anzuschauen. So fühlt sich für mich das Schreiben an. Die andere Variante des Drauf-Los-Schreibens habe ich ebenfalls ausprobiert, doch schreibe ich mich dabei immer nur in Sackgassen, aus denen ich nicht mehr herauskomme. Ich verliere den Mut an meinen Geschichten und dann landen sie doch wieder in meiner Ideenkiste  und warten darauf, dass ich sie irgendwann wieder entdecke und erneut an ihnen herumbastle.
Auch habe ich das Gefühl, dass ich keine hohe Kunst produziere und kann meinen eigenen Standards nicht gerecht werden. Geschichten, die ich dann doch irgendwie beende, bleiben deshalb vor der Öffentlichkeit versteckt und ungelesen. Das Schlimme daran: Freunden, die selber schreiben, rate ich, ihre Dinge herauszugeben, an denen sie schreiben, und andere darüber schauen zu lassen, um eine zweite Meinung zu bekommen, damit sie ihre Geschichte überarbeiten und verbessern können. Doch wie das oft so ist, befolge auch ich selten meine Ratschläge, auch wenn sie anderen helfen. Da sind mein eigener Perfektionismus und meine eigene Angst vor Kritik zu groß.

Ich bin besser darin, anderen beim Plotten zu helfen und beim Schreiben mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dabei habe ich einen größeren Abstand zur Story und sehe Plotfehler eher als bei meinen eigenen Geschichten. Es macht mir auch mehr Spass, Autoren bei ihren Projekten zu unterstützen, ihnen zu helfen, das Beste aus ihre Geschichte herauszuholen. Bei dieser Arbeit fühle ich mich sicherer, auch wenn ich immer noch Neues dazu lerne und noch längst nicht alles kann. Doch genau das reizt mich auch an diesem Job – man lernt mit jeder Geschichte, mit jedem Autor etwas Neues, erweitert seinen eigenen Horizont.
Ich hoffe, noch viele Jahre als Lektorin arbeiten zu können (vor allem da ich gerade erst damit angefangen habe) und vielleicht bin ich irgendwann auch soweit, meine eigenen Geschichten zufriedenstellend zu beenden und zu veröffentlichen.

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