Daddy Langbein

Als ich klein war, bekam ich von meiner Mama die Märchensammlung der Moewig Märchenbibliothek, bestehend aus mehreren Heften, die die typischen Märchen in gekürzter Version wiedergaben, aber auch Geschichten beinhalteten wie Die roten Schuhe und Daddy Langbein. Vor allem letzteres Heft hatte es mir besonders angetan und gehörte zu den Meistgelesen dieser Reihe. Nachdem bei einem Umzug diese Bücher in einer Kiste verschwanden und danach im Keller gelagert wurden, suchte ich lange Zeit nach Daddy Langbein, da ich diese Geschichte einfach nicht vergessen konnte. Nun habe ich eine großartige Tante, die zufällig auch Buchhändlerin ist und dieses Buch antiquarisch fand und es mir vor ein paar Jahren zum Geburtstag schenkte.

Daddy Langbein ist ein Briefroman der amerikanischen Autorin Jean Webster, der erstmals 1912 erschien. Er handelt von dem Waisenmädchen Jerusha Abbott, die dank ihres literarischen Talentes von einem unbekannten Mann das College bezahlt bekommt. Einzige Bedingung: Sie muss ihm jeden Monat einen Brief schreiben und ihm von ihren Fortschritten berichten. Diese Briefe bleiben von ihm jedoch unbeantwortet, auch soll Jerusha nicht erfahren, wer ihr Gönner ist. Da sein Name ebenfalls ein Geheimnis für sie bleibt, adressiert sie die Briefe an Daddy Langbein (engl. Daddy Long Legs, der Weberknecht), als Anspielung auf seinen in die Länge gezogenen Schatten, der das Einzige ist, was sie je von ihm gesehen hat. In den Briefen berichtet sie ihm von ihren Studienjahren, ihren Freundschaften und ihrer Liebe zu dem jungen Onkel einer ihrer Freundinnen.

Dieser Roman gehört den wenigen Büchern, die ich immer und immer wieder lese. Ich mag den Schreibstil der Autorin, ihren Witz und auch die kleinen Illustrationen, die die Briefe oftmals begleiten. Ja, er ist eine kitschige Liebesgeschichte und ja, er ist oft etwas kindisch geschrieben, aber Jerusha ist zu Beginn der Geschichte gerade erst siebzehn Jahre und unerfahren der Welt gegenüber – doch passt sich zum Ende hin der Schreibstil der Briefe an. Viele der Themen, die in Daddy Langbein angesprochen werden, sind heute nicht mehr zeitgemäß, doch bleiben die zentralen Motive wie Studium, Freundschaft, Liebe und das Heranwachsen auch heute noch nachvollziehbar und sind sehr realistisch beschrieben.

Ich liebe dieses Buch einfach und ebenso wie Stolz und Vorurteil zählt es für mich zu den unverzichtbaren Klassikern, die jedes Mädchen und jede Frau gelesen haben sollten. Leider wird dieses Buch seit 1995 nicht mehr verlegt, aber ab und an kann man im ZVAB (oder beim bösen Amazon) eine Ausgabe ergattern. Und wer nicht genug von Jerushas Geschichte bekommt, liest einfach auch noch Geliebter Feind (oft auch als Doppelband erhältlich), in dem ihre beste Freundin Sally das Waisenhaus übernimmt, in dem Jerusha aufgewachsen ist, und dort mit dem schottischen Dr. MacRae einige Kämpfe auszufechten hat.

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