Das Buch ohne Namen

Man stelle sich vor: Man ist auf der Buchmesse, der Lesestoff ist einem ausgegangen und die Auswahl um einen herum ist viel zu groß, um sich für etwas Neues zu entscheiden. Was tun: Man fragt jemanden nach einer Empfehlung.

2015 arbeitete ich das erste Mal auf der Leipziger Buchmesse an der Leseinsel Fantasy als Forenbetreuer. Das Besondere an diesem Leseforum ist der angeschlossene Signierbereich, der von WerkZeugs betreut wird. Die Mitarbeiter von WerkZeugs empfahlen mir auf meine verzweifelte Anfrage nach Lesestoff Das Buch ohne Namen von Anonymus und drückten mir auch gleich Band zwei und drei in die Hand. Da ich den Jungs vertraute, kaufte ich die Bücher, ohne auch nur einen Blick auf die Handlung geworfen zu haben. Hätten sie mir erzählt, worum es ging, ich hätte die Bücher nicht gekauft.

Wovon handelt die Story also? Aus einem Kloster wird ein mysteriöser Stein gestohlen, der die Macht haben soll, den Mond zu kontrollieren. Zwei junge Mönche machen sich auf, diesen wiederzufinden und landen in der zwielichtigen Stadt Santa Mondega. Doch sie bleiben nicht die Einzigen, die hinter dem Stein her sind. Vor allem der gefürchtete Bourbon Kid, der alles umbringt, was sich in seiner Nähe bewegt, sobald er ein Glas Bourbon leert, ist wieder in der Stadt und verringert deren Einwohnerzahl auf der Jagd nach dem Stein.
Und dann wäre da noch das geheimnisvolle Buch ohne Namen, dessen Leser sterben, sobald sie einen Blick hinein geworfen haben.

Diese Buchreihe ist der absolute, kranke Wahnsinn. Jede, absolut jede Figur in diesem Buch hat eine kriminelle Hintergrundgeschichte und nicht eine erfüllt das typische Klischee eines Helden. Es gibt keinen wirklichen Hauptprotagonisten, da die Erzählperspektive ständig springt, je nachdem aus welchem Blickwinkel die Geschichte gerade am dramatischsten wirkt. Allerdings gibt es ein paar Personen, die dem Leser bis zum Ende der Reihe erhalten bleiben, allen voran Bourbon Kid, Sanchez und Dante, einem Weichei, der irgendwie zufällig immer zur falschen Zeit am falschen Ort ist.  Im Laufe der Handlung gesellen sich noch Vampire, Werwölfe, Zombies und ein wiedererwachter Pharao hinzu, die die Story ordentlich aufmischen.
Die Atmosphäre und Handlung erinnern stark an Filme von Quentin Tarantino und ebenso wie seine Filme lassen sich diese Bücher schwer in ein Subgenre pressen. Die Erzählweise ist ab und zu (bzw. fast ausschließlich) ziemlich derbe und nichts für schwache Nerven. Nicht nur schmeißt Anonymus mit Schimpfwörtern um sich, auch Blut spritzt hier in ordentlichen Mengen durch die Gegend. Opfer sterben nicht nur durch einen Kugelhagel  (wäre ja sonst auch langweilig) – nein, auch Deckenventilatoren werden gerne mal zweckentfremdet. Besonders Spaß macht beim Lesen der Stil, denn der Autor bedient sich häufig der Ironie und des Sarkasmus‘, die die Handlung  nur noch makaberer  erscheinen lassen.

Über den Autor lässt sich nichts finden, bleibt er doch, wie dem Namen nach schon vermutbar, anonym. Und doch hat er mit diesen vier Büchern einen Maßstab für wirklich großartige, gut geplottete, phantastische Literatur gesetzt, die Spaß macht, sie zu lesen und deren Kauf ich keinesfalls bereut habe. Übrigens warnt er die Leser in jedem Buch vor der Handlung und seinem Stil, die manch einen verwirren oder gar blenden könnten, und einige Leser nach dem Beenden der Bücher „…das Licht vielleicht niemals wieder erblicken.“

Reihe (erschienen bei Bastei Lübbe):
1. Band: Das Buch ohne Namen
2. Band: Das Buch ohne Staben
3. Band: Das Buch ohne Gnade
4. Band: Das Buch des Todes

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