Hamlet, Prinz von Dänemark

Wenn mich ein Buch seit Jahren begleitet (neben Harry Potter), dann ist es Hamlet von William Shakespeare. In der elften Klasse stand dieses Buch auf der Leseliste für die Abiturprüfung, doch muss ich zugeben, beim Anblick dieses Werkes damals nicht gerade Luftsprünge gemacht zu haben. Zwar hatte ich in den Sommerferien davor erstmals Romeo und Julia gelesen – sogar freiwillig, weil unsere Deutschlehrerin mit uns lieber Das Fräulein von Scuderi gelesen hat, statt wie die Parallelklasse Romeo und Julia – doch bin ich kein großer Fan dieses Werkes gewesen (für mich ist dieses Buch einfach kein Beispielwerk für wahre Liebe – sorry).
Meine Einstellung zu Hamlet änderte sich am 03.10.2008, als ich mit meiner Familie im Stuttgarter Bahnhof die Inszenierung dieses Stückes der Theatergruppe Lokstoff gesehen habe mit Maximilian Grill in der Hauptrolle. Diese Theatergruppe ist bekannt für ihre Inszenierungen im öffentlichen Raum. Obwohl modern und ohne wirkliche Bühne umgesetzt, beeindruckte mich diese Vorstellung so sehr, dass ich noch Tage später an nichts anderes denken konnte. Im Gegensatz zu den meisten Verfilmungen, zB. mit Mel Gibson (1990), Kenneth Branagh (1996) oder David Tennant (2009) als Hamlet, war der Hamlet in dieser Inszenierung kein heroischer Held, sondern einfach ein introvertierter, unsicher Prinz, der sich nicht sicher ist, ob er wirklich das Richtige tut. Nach diesem Abend begann ich, Hamlet zu lesen und verliebte mich hoffnungslos in den Stoff. Noch heute verkörpert Hamlet genau diesen Charakter für mich, der in der Stuttgarter Vorstellung dargestellt wurde und immer noch kann ich mich nicht mit anderen Interpretationen anfreunden.
Der Regisseur Roger Vontobel sagte einmal in einem Interview, dass man im Leben nur ein paar wenigen Schauspielern begegnet, die diese Rolle für einen selbst perfekt repräsentieren. 2012 inszenierte er Hamlet am Staatsschauspiel Dresden mit Christian Friedel in der Hauptrolle. Diese Inszenierung ist in der Hinsicht besonders, als dass die komplette erste Hälfte des Stückes als Konzert inszeniert wurde mit Hamlet als Sänger eines Tribute Concert für seinen verstorbenen Vater. Christian Friedel steht dabei gemeinsam mit seiner Band Woods of Birnam auf der Bühne und singt Songs, die ausschließlich aus Texten von William Shakespeare zusammengebastelt wurden. Außerdem wird die finale Szene (das große Duell in dem die meisten sterben) allein von Christian Friedel gespielt, eine Szene, die den Wahnsinn des jungen Prinzen darstellen soll. Diese Inszenierung ist so erfolgreich, dass sie immer noch gespielt wird und immer noch vor fast vollem Haus. Ich selbst war alleine 13 mal in diesem Stück und besitze auch den Soundtrack.

Doch was macht Hamlet so besonders? Hamlet ist für mich allein schon als Figur faszinierend. Er wird aus seinem Studienalltag in Wittenberg herausgeworfen, als sein Vater stirbt und kann diesen Verlust kaum verarbeiten, war dieser ihm doch ein leuchtendes Vorbild. Als seine Mutter dann kurze Zeit später (ohne einhalten der gebührenden Trauerzeit) auch noch seinen Onkel heiratet, versteht er die Welt nicht mehr, ist dieser doch in seinen Augen kein würdiger König. Der Geist seines Vaters erscheint ihm und an dieser Stelle fängt der Anfang vom Ende an. Hamlet beginnt zu zweifeln. Soll er dem Geist trauen? Wie kann er die Wahrheit herausfinden? Ist er überhaupt bereit, sich für seinen Vater zu rächen und wie soll er dies anstellen? Dass ihn sein Onkel auch noch durch seine Studienfreunde überwachen lässt, hilft Hamlet in dieser Situation nicht wirklich. Aus Angst, seine Geliebte könnte bei seinen Plänen Schaden nehmen, trennt er sich von Ophelia und wünscht sie in ein Kloster, in dem sie sicher wäre. Natürlich überschlagen sich zum Schluss die Ereignisse und wie es sich in einem ordentlichen Drama gehört, gibt es Tote.
Hamlet versucht immer wieder, die Dinge auf die richtige Bahn zu lenken, versucht, zu retten, was zu retten geht. Doch leider arbeitet der Autor gegen ihn und keine seiner Bemühungen wird mit Erfolg gekrönt. Am Ende verliert er das Mädchen, das er liebt, seine Mutter und sein Leben, alles in dem Versuch, dem Geist seines Vaters die ewige Ruhe zu verschaffen. Ein Paradebeispiel für einen tragischen Held!
Auch liebe ich Polonius, der einen beim lesen doch immer wieder zum Schmunzeln bringt. Der Plot ist genial gestrickt und es gibt so viele schöne, inspirierende Textstellen in diesem Werk. Wer dieses Werk noch nicht gelesen oder gesehen hat, verpasst ein großes Stück Weltliteratur – und wenn man sich einmal an den Schreibstil gewöhnt hat, liest es sich auch relativ flüssig.

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Meine beiden Lieblingsausgaben: Reclamheft von 1990 (mittlerweile hält nur noch der Klebestreifen dieses Heft zusammen) und eine ledergebundene englische Ausgabe von 1899
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